Von Martin lernen – auf und abseits der Via Sancti Martini
von Samuel Acloque
Ausgehend von der religionspädagogischen Einsicht, dass religiöses Lernen immer ein Lernen in Beziehung darstellt, es sich bei Glauben bzw. Religion immer um ein Beziehungsereignis handelt¹, sind wir als Menschen zwingend angewiesen auf personale Begegnung und Begleitung. Über Jahrhunderte hinweg sahen die Menschen in der Gestalt des heiligen Martin einen solchen Begleiter, an dessen Haltung zweierlei sichtbar wird: Zum einen verbindet der Glaube Gottes- und Nächstenliebe. Echte Gottesbeziehung zeugt von einer lebendigen Christusbeziehung, die nichts Abstraktes ist, sondern von der Empathie lebt, in den Geringsten Bruder und Schwester zu erkennen. Zum anderen drückt sich hierin etwas aus, das den gesellschaftlichen Gepflogenheiten unserer Zeit weniger einleuchtend zu sein scheint: Religion und Glaube sind gerade nichts rein Privates, sondern im wahrsten Sinne des Wortes politisch. Gelebter Glaube drängt zur Mitgestaltung dieser Welt.