Glaskunst im Haus am Baum in Trier
Es gibt unzählige bemerkenswerte Darstellungen von diesem bemerkenswerten Menschen Martin.
Hier werden wir im Laufe der Zeit eine Sammlung dieser Zeugnisse anhäufen und diese Kompilation interessanter Fundstücke ständig erweitern.
Altarbild in Trier-St. Martin,
gefertigt 1914 von B. Jansen,
Foto W. Raab
Zwei unterschiedliche Darstellungen in einer Kirche:
St. Martin in Trier.
Martin als Soldat, der mit dem Bettler den Mantel teilt - Martin als Bischof von Tours mit Gans.
Altarbild und ein Fenster in Trier- St. Martin
Das Mosaik des Kirchenpatrons im Hochaltar der neoromanischen Kirche St. Martin im Trierer Maar-Viertel, heute Teil der Pfarrei St. Paulin, entstand 1914. Es zeigt den hl. Martin vor einem goldstrahlenden Hintergrund hoch zu Ross, der seinen Soldatenmantel mit dem Schwert zerteilt, um dem vor ihm knieenden Bettler den halben Mantel zu schenken, damit er nicht erfriert. Das Pferd ist das Erkennungszeichen für den römischen Soldaten/Offizier geworden – es ist auf den meisten Martinsdarstellungen zu finden. Seltener ist die Gans als Begleittier des Bischofs Martin, eher im ländlichen Bereich anzutreffen. Einer mittelalterlichen Legende nach verrieten schnatternde Gänse Martin, der sich in einem Gänsestall versteckt hatte, weil er nicht Bischof von Tours werden wollte. In der Trierer Kirche St. Martin finden wir sie auch: eine kleine blaue Gans zu Füßen des Bischofs im Martinsfenster. Es ist wohl einmalig, dass an einem Ort die beiden Begleittiere des hl. Martin, seine Erkennungszeichen (Pferd und Gans), dargestellt sind.
Die Begegnung mit Christus - im Bettler und in der Traumvision - bleibt eine grundlegende Erfahrung in Martins Leben. Martin lässt sich taufen – fürwahr ein Christusnachfolger, s. Dialog III, 10,5
Die ganz alten und die neuesten Darstellungen zeigen den hl. Martin, der vom Pferd abgestiegen ist und sich auf einer Ebene mit dem Bettler befindet. Durch das Herbsteigen vom hohen Ross und das Zerschneiden seines Soldatenmantels gibt er seinen hohen sozialen Status auf. Und nimmt den Spott seiner Mitmenschen in Kauf.
Der Arme, der am Wegrand beim Stadttor bettelt, wurde ursprünglich als „nackter Bettler“ abgebildet, wie es im Text heißt. Später wird er zeitgemäß als krank, gelähmt, beinamputiert, mit Aussatz behaftet dargestellt.
Hans-Georg Reuter
St. Martin-Kirche Trier, Künstler Adolf Herres 1914. Foto: W. Raab
Sehr viel seltener als die Mantelspende ist in der bildenden Kunst die Christusvision dargestellt. Martin ruht auf seinem Lager. Sein Schwert, der Helm, die Hellebarde. die Lanze und der Wappenschild sind Randfiguren: sie kennzeichnen den Schlafenden als den Soldaten Martin. Wichtig ist der Augenkontakt von Martin und Christus. Jesus Christus in der Mandorla zeigt die Mantelhälfte, die Martin dem Bettler geschenkt hatte. „Alsbald hörte er Jesus laut und deutlich zu der Menge der umstehenden Engel sagen: Martin, der noch Katechumene (Taufbewerber) ist, hat mich mit diesem Gewand bedeckt“ (Vita Martini, 3,3). Die Konsequenz aus dieser Vision: Martin lässt sich taufen. Sein Leben ist neu orientiert.
Beide Wandgemälde haben den gleichen gemalten Rahmen und den gleichen dunkelroten Hintergrund; sie gehören zweifellos zueinander. Die Mantelspende ist ohne ihre Fortsetzung unvollständig. In der Schweicher Martinskirche hat man dafür eine gute Lösung gefunden.
Hans-Georg Reuter
Wandgemälde
in der Kirche St. Martin in Schweich
Kölner Atelier Johann Schneider 1905-06
Fotos: W. Raab
An der Stirnwand der beiden Seitenschiffe sind zwei Szenen aus Martins Leben dargestellt, die zusammenhängen: links die Mantelteilung, rechts die Christusvision im Traum.
Ein jugendlicher Reiter, gerüstet wie ein mittelalterlicher Ritter ohne Kopfbedeckung (dafür mit einem Heiligenschein) auf einem bräunlichen Ross reitend. Er zerschneidet mit dem Schwert seinen braunen Mantel. Vor ihm der Bettler, in Lumpen gekleidet. Er hält schon die Hälfte von Martins Mantel in beiden Händen. Die Blicke der beiden sind einander zugewandt.
Martinsaltar in Fell
Foto W. Raab
Gedanken zu den beiden Martinsdarstellungen in Fell
Über dem Portal der Kirche in Fell ist zuerst die Figur des Offiziers in der römischen Gardereiterei zu sehen – St. Martin hoch zu Ross. Er zerschneidet mit dem Schwert seinen Soldatenmantel und schenkt die Hälfte einem (kriegs-)versehrten armen Mann. Die Bildunterschrift in goldenen Lettern: „St. Martinus, bitte für uns“; ein Stoßgebet, das jeder, der die Martinskirche betritt, mitspricht.
In der Kirche zieht der fein geschnitzte Baldachinaltar die Augen auf sich. Auf der linken Seite (klassisch die „Frauenseite“!) sieht man die Figur der hl. Barbara, erkennbar am Kelch mit der Hostie. Der Legende nach brachte ihr ein Engel die Eucharistie in den Turm (der ist ein anderes Kennzeichen für die heilige Barbara), in den ihr Vater sie eingesperrt hatte. So wurde sie zur Schutzpatronin der Bergleute. In Fell wurde Jahrhunderte lang Schiefer unter Tage abgebaut.
Auf der rechten Seite des Altars ist der Kirchenpatron als Bischof dargestellt. Schon der Name Fell (val, vallis – Tal) deutet auf römischen Ursprung hin. Eine Nebenstrecke der Römerstraße von Trier nach Mainz, gab dem Ort eine exponierte Verkehrslage, siehe Ausonius, Mosella. Fell gehörte im Mittelalter zum Grundbesitz der Benediktinerabtei St. Maximin in Trier. Bischof Martin ist hier eindeutig erkennbar durch sein „Begleittier“, eine Gans. Schnatternde Gänse hatten ihn verraten, als er sich in einem Gänsestall versteckt hatte, weil er nicht Bischof von Tours werden wollte. Vorbild sind die kapitolinischen Gänse: um 390 v. Chr. sollen Gänse durch ihr Geschnatter die Römer geweckt haben, als die Gallier versuchten, in der Nacht heimlich in die Stadt einzudringen. Seitdem gelten die Gänse als wachsam, ja als prophetisch.
So sind in der Feller Kirche beide Erkennungszeichen für den heiligen Martin zu sehen: das Pferd und die Gans. Und damit erinnern sie uns an den noch nicht getauften Soldaten und an den Bischof.
Hans-Georg Reuter
Martinsskulptur in Fell,
Foto: W. Raab