Foto: Karin Wicker

Rückblende: Vor zehn Jahren
Die Eröffnung der Mittelroute des Europäischen Kulturwegs St. Martin von Tours 2016

Eine Pilgergruppe begleitete im Spätsommer 2016 einen künstlerisch gestalteten „Martinusmantel“ von der ungarischen Diözese Szombathely durch 16 Diözesen in Österreich und Deutschland bis nach Wasserbillig in der Erzdiözese Luxemburg. Dort endete der Weg, der ursprünglich bis nach Tours gehen sollte In jeder dieser Diözesen verweilte dieser Mantel einige Tage und gab Anlass zu vielen guten Begegnungen.
Die Lörracher Künstlerin Astrid J. Eichin, die sich in ihrem Schaffen mit Mänteln und Häuten beschäftigt, hat einen Martinusmantel geschaffen, der durch seine Einfachheit beeindruckt.
Der Mantel besteht aus einer einfachen T-Form, welche sich aus den handgewebten Stoffbahnen der bäuerlichen Kulturen entwickelte und somit die asketische Lebensweise des Mantelteilers aufgreift. Diese Seite Martins zieht sich durch sein ganzes asketisches, vom Gebet und der Stille geprägtes Leben und wird in einer der beiden Mantelhälften sichtbar. Die andere bei Martin ausgeprägte Seite ist das konsequente Handeln, seine zielorientierte Aktivität. Was er im Innehalten wahrgenommen hatte, das lebte er, dafür ist die andere Mantelhälfte Zeichen. Die Teilung adelt den Mantel!...
Die beiden Mantelhälften können die beiden Lungenflügel darstellen, aus denen Europa bis zum heutigen Tag Kraft schöpft, damit symbolisieren sie die Verbindung Europas in Einigkeit durch Vielfalt. Die Verbindung der Gegensätze, dieses durch Christus aufeinander Verwiesen-Sein, wird durch die nicht vollkommene Trennung des Mantels sichtbar und doch ist der Schnitt, die Teilung deutlich zu sehen, da die Mantelhälften unten offen sind und in der Mitte, durch das Band der Liebe, eine goldene Kordel, geheilt sind.Am Schnitt, besonders am geheilten Schnitt wird Christus sichtbar. Das Gold der Kordel ist für ihn und für die Liebe zugleich Symbol.
Auf der linken Seite des Mantels – der Herzseite - finden sich in unregelmäßiger Anordnung kleine Taschen, in welche jede Diözese als Wegmarke dem werdenden Mantel etwas mitgeben - teilen kann, damit er in Tours dann zu einem Ganzen geworden ist.
Und so soll dieser Mantel die Eröffnung der neuen Pilgerroute durch Europa begleiten und Menschen einladen, Zeit und Aufmerksamkeit zu teilen und somit diesen unseren Pilgerweg gemeinsam mitzugestalten!
Hans-Georg Reuter,
Exzerpt aus" Eröffnung der neuen Mittelroute des Martinusweges Via Sancti Martini von Szombathely nach Tours im Herbst 2016, hrsg. St. Martinusgemeinschaft e.V. (Rottenburg)

Lichtfeier in Guldental-St. Martin
Foto: Manfred Bauer, Guldental

Uns interessiert vor allem, was im Bistum Trier mit dem Martinusmantel geschah. 

Der Martinusweg führt von der Mündung der Nahe in den Rhein zur Mündung der Sauer in die Mosel. Am 8.11. haben zwei Vertreter des Bischöflichen Generalvikariats Trier, verstärkt durch eine Abordnung des Nachbardekanats Bad Kreuznach, nach einer Andacht in der Basilika St. Martin in Bingen den Martinusmantel vom Bistum Mainz übernommen, damit er seinen Weg durch das Bistum Trier, fortsetzt. Erste Station war die Pfarreiengemeinschaft Guldenbachtal-Langenlonsheim. Im Gemeindehaus in Langenlonsheim gestärkt fuhren wir nach Guldental Heddesheim St. Jakobus, von dort ging es in einer Lichterprozession mit weit über 100 Pilgern nach Guldental-Waldhilbersheim St. Martin. In der nur mit Kerzenlicht illuminierten Kirche fand eine gutbesuchte Lichtfeier rund um den Martinusmantel statt, von einer Gruppe von Frauen eindrucksvoll gestaltetet. Anschließend gab es bei Speis und Trank in der Kirche gute Gespräche, bevor die Rottenburger Delegation nach Hause fuhr und wir den Martinusmantel mit nach Trier nahmen.

Bischof Stephan Ackermann fügt die Wegmarke in den Martinusmantel ein.
Foto: Ernst Mettlach/Bistum Trier

Martins Mantel in Trier

Am Morgen des 10. Novembers empfing Bischof Stephan den Martinusmantel im Bischofshof und steckte als „Wegmarke“ für das Bistum Trier ein Röhrchen in die vorletzte freie Tasche. Darin Ziegelsplitt vom Quadratbau des römischen Kaiserdoms, der 385 fertiggestellt worden war.
In das Röhrchen hineingegeben war zudem ein Gebet zum hl. Martin im Sinn der in diesem Jahr zu Ende gegangenen Diözesansynode: „Hl. Martin, du hast in Gallien Landgemeinden gegründet und ihnen Mönche aus deinem Kloster als Pfarrer gegeben, weil die Neubekehrten nicht zum Gottesdienst in die weit entfernten Bischofsstädte gehen konnten. Wir erleben heute, dass es immer weniger Pfarrer gibt, so dass die Räume, die sie zu betreuen haben, immer größer werden. Zu deiner Zeit hast du ein neues Seelsorgemodell erfunden. Gib unseren Seelsorgerinnen und Seelsorgern und den Gläubigen Phantasie und Mut, neue Formen der Vergemeinschaftung im Glauben zu suchen und zu leben, damit das Lob Gottes und die Unterstützung der Notleidenden in unserer Heimat nicht endet. Amen.“

Der Martinsmantel im Trierer Dom…
Foto: Hans-Georg Reuter

Um 12:00 Uhr war der Martinusmantel dann zum Mittagsgebet und darüber hinaus im Dom für viele Touristen zu sehen.

Weihbischof Jörg Peters, Horst Drach und berittene Begleiter von St. Martin warten vor der Porta Nigra auf die Mantelteilung
Foto: Franz-Josef Ott

Um 18:00 Uhr nahm er schließlich am großen Martinszug der Pfarrei St. Martin teil, wo Weihbischof Jörg M. Peters an der Porta Nigra (durch die der hl. Martin in seinem Leben sicher mehr als einmal geschritten ist) die Kinder aufforderte, dem hl. Martin zu seinem 1700 Geburtstag zu gratulieren. Auf ihren Vorschlag sangen wir miteinander: „Happy birthday, lieber Martin…“. Und der Martinusmantel zog von dort aus mit vor die Pfarrkirche St. Martin zum Martinsfeuer und der Verteilung der Martinsbrezeln.

Im Café Miteinander in Schweich mit den Flüchtlingen
Foto H. Jakobs

Martinsmantel in der Pfarreiengemeinschaft Schweich, 11.11.

Am Freitag war der Martinusmantel unterwegs in drei Martinsgemeinden der Pfarreiengemeinschaft Schweich: am Morgen in der Kindertagesstätte St. Martin in Fell, am Mittag in Schweich im Altenheim St. Josef und anschließend im Café Miteinander und am Abend zur Eröffnung des Martinszugs in der Kirche St. Martin in Riol.

Domdechant Gebert und Dompropst Hellinghausen und Mireille Sigal bei der Mantelübergabe.
Foto: Laure Simon-Becker

Übergabe von der Diözese Trier an die Erzdiözese Luxemburg am 12.11.

Am Samstag begleiteten etwa 40 Pilgerinnen und Pilger aus Trier und Umgebung den Mantel zur Übergabe an das Erzbistum Luxemburg. In Trier-Zewen wurde die Wallfahrt in der Pfarrkirche St. Martinus eröffnet. Die Vorsitzenden des Rottenburger Martinusvereins überreichten Pfarrer Hohn die gusseiserne Platte „Via Sancti Martini“ als einen stabilen Hinweis auf den Martinsweg. Um den Weg ein wenig abzukürzen, brachte der Bus die Pilger*Innen nach Igel. An der Igeler Säule begann der knapp zweistündige Fußweg. Es ging auf halber Höhe durch das landschaftlich reizvolle Moseltal.
Auf der Sauerbrücke, der Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg, wurde die Pilgergruppe aus Trier von den Luxemburger Freunden begrüßt und auf dem « Mäerteswee ») an der Mosel entlang in die Kirche St. Martinus geleitet. Vor der eigentlichen Andacht zu Ehren des Heiligen Martin unter dem Vorsitz des Regionaldechanten Claude Bache, gab es in der Kirche Grußworte von allen Seiten: Mireille Sigal, Präsidentin des Vereins « Frënn vum Mäerteswee » (dem luxemburgischen Centre culturel Saint Martin), wies in ihrer Ansprache darauf hin, dass Martinus historisch belegt höchstpersönlich durch das Land gezogen ist Als Attribut von Luxemburg führte sie in den Martinusmantel ein Röhrchen mit Erde des Martinusdenkmals in Niederanven ein sowie eine kleine Schriftrolle mit dem lateinischen Textausschnitt aus Sulpicius Severus’ Dialogen mit der Beschreibung dieses Vorfalls ein. Monika Bucher und Constantin Weyrich von der «St. Martinusgemeinschaft» sprachen über den Pilgerweg und den symbolischen Mantel. Die eigentliche Mantelübergabe wurde vom Domdechant Gebert und vom Dompropst Hellinghausen vollzogen. Beide würdigten den Heiligen in seiner Bedeutung als Vorbild des Teilens und als europäische Persönlichkeit der ersten Stunde.
Nach der Andacht fanden sich die Pilger der beiden Länder im Festsaal zu einer Stärkung ein. Die Pfarrei Wasserbillig spendierte Kaffee und Kuchen, während die Trierer Freunde eine ganz besondere Extra-Gabe mitgebracht hatten: einen ganzen Korb voller Martinsbrezeln, wie man sie in Luxemburg nicht kennt, und köstlichen Wein aus den Bischöflichen Weingütern. An bunt gemischten Tischen fanden sich, wie es in der Großregion üblich ist, die Moselfranken von beiden Seiten der Landesgrenze mit ihren schwäbischen und badischen Gästen zusammen. Allzu lang kam der Martinusmantel nicht in den Genuss, Luxemburger Luft ausgesetzt zu sein. Die Via Sancti Martini nach Belgien ist zwar offiziell beschrieben und schon begangen worden, allerdings ist auf belgischer Seite kein direkter Partnerverein vorhanden. Deshalb trat der Mantel noch am selben Tag seine Rückreise nach Rottenburg-Stuttgart an.
Mireille Sigal, « Frënn vum Mäerteswee asbl »
Alle, die auf dem Europäischen Kulturweg St. Martin von Tours wandernd oder pilgernd unterwegs sind, mögen im hl. Martin eine europäische Leitfigur entdecken.
Hans-Georg Reuter, Exzerpt aus: Eröffnung der neuen Mittelroute des Martinusweges „Via Sancti Martini“ von Szombathely nach Tours im Herbst 2016, eine Dokumentation, hrsg. St. Martinus-Gemeinschaft e.V.

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